FTS bei Rila

Erst kürzlich bestellte der Feinkost-Spezialist Rila für sein Logistikzentrum das dritte Fahrzeug für sein fahrerloses Transportsystem. Denn die Geschäfte laufen gut und die modernen Anlagen müssen schon wieder erweitert werden. Es müssen nicht immer Discounter sein. Dieser Ansicht jedenfalls scheint eine große Zahl von Konsumenten zu sein, die ihre Einkäufe lieber bei führenden Lebensmitteleinzelhändlern oder auch in familiengeführten Häusern tätigen, weil sie das attraktive Sortiment schätzen. Und nur solche Händler beliefert der Feinkost-Importeur Rila aus dem ostwestfälischen Stemwede-Levern unweit von Osnabrück.

 

Start in einer alten Mühle

Der Lieferant von Ländermarken-Spezialitäten ist aus zwei Unternehmen hervorgegangen: „Helmut Richter, Internationale Transporte und Spedition“ und „Ursula Richter, Lebensmittel-Importe und Großhandel“, die in den Siebzigerjahren gegründet wurden. Richter war im internationalen Linienverkehr tätig, der ihn auch nach Griechenland führte. Dabei entdeckte er eine Marktlücke: Die nach Deutschland strebenden Gastarbeiter hatten weiterhin den Wunsch nach Lebensmitteln aus ihrer Heimat. Und Richter beschaffte sie ihnen. Als erstes Lager diente eine leer stehende alte Mühle. In der Folgezeit wurde nicht nur das Produktspektrum wesentlich erweitert, man avancierte auch vom klassischen Importeur zum Produzenten. Und es entstanden Tochterfirmen in Deutschland, Griechenland und Chile. Der von stetiger Expansion gekennzeichnete Weg des Leckerbissen-Spezialisten führte schließlich dazu, dass seit Anfang 2003 auf dem Rila-Areal – in ländlicher Umgebung, aber geschickt der Umgebung angepasst – ein Logistikzentrum  steht.

Anders wäre der Warenumschlag von derzeit 16.000 Tonnen jährlich, von denen rund 30 Prozent in eigenen Betrieben hergestellt werden, gar nicht zu bewältigen. Über das Logistikzentrum werden um die 9.000 SB-Warenhäuser, Supermärkte, Kaufhäuser, Cash & Carry, Zentrallager, Feinkostgeschäfte und Drogeriemärkte in Deutschland und Österreich beliefert. Darüber hinaus versendet der Familienbetrieb seine Waren an viele Importeure weltweit.
Zum Logistikzentrum gehören heute ein Hochregallager für 6.800 Paletten, ein Kommissionierlager mit 2.200 Palettenplätzen und zwei frei fahrende Transportfahrzeuge von MLR. Die Fahrzeuge haben die Aufgabe, das Kommissionierlager mit Waren zu versorgen und den Abtransport der anfallenden Leerpaletten zu übernehmen. Zusätzlich bedient das fahrerlose Transportsystem (FTS) auch die Umpackzone für Zentrallageraufträge.
 Transportiert werden Europaletten mit einer maximalen Höhe von 2.000 mm und einem Maximalgewicht von 1.100 kg. Der Abtransport erfolgt in Stapeln mit bis zu acht Leerpaletten übereinander.

 

Verknüpfung durch FTS

Die automatischen Fahrzeuge nehmen die bereitgestellten Vollpaletten auf der Auslager-Fördertechnik des Hochregallagers auf, transportieren sie ins Kommissionierlager und geben dort die Paletten an stationären Schwerkraftrollenbahnen ab, die in zwei Ebenen übereinander angeordnet sind. Die Übergabehöhen betragen 400 und 2800 mm. An den Durchlaufregalen und in der Umpackzone erfolgt die Lastübergabe an eine stationäre Fördertechnik. Die im Kommissionierlager entstehenden Leerpalettenstapel und die Leer- und Anbruchpaletten an den Durchlaufregalen stellt man später auf stationären Fördertechniken zur Abholung durch die automatischen Fahrzeuge bereit.

Alle Transportaufträge werden von einem übergeordneten Lagerverwaltungsrechner generiert und über eine Schnittstelle an den FTS-Leitrechner LogOS-FTS übertragen. Es gibt zwei Arten von Transportaufträgen: die Auslagerung von Vollpaletten und die Einlagerung von Leer- und Anbruchpaletten. Insgesamt bedienen die beiden Fahrzeuge 10 Holziele und rund 900 Bringziele. Der gesamte Fahrkurs ist etwa 550 Meter lang.

Die Fahrzeuge des Typs PHOENIX FH-1,1 Mr sind als Radarmstapler mit integriertem Duplex-Hubmast ausgeführt. Sie tragen je eine Rollenbahn und können damit die Paletten schnell und sicher aufnehmen und abgeben. Auch die übrigen technischen Merkmale entsprechen dem heutigen Stand der Technik: Drehstromantriebe, Magnetnavigation, automatische Batterieaufladung über Ladekontakte. Die Ansteuerung der Ladegeräte übernimmt der LogOS-Leitrechner. Der Datenfluss zwischen Leitstand und Fahrzeugen geschieht über Breitbandfunk. Dabei sind in das Funk-LAN zusätzliche Kommissionier-Terminals integriert, das heißt, sie nutzen das gleiche Funknetz. Der Leitrechner, ein Server-PC, steuert die Fahrzeuge und kommuniziert mit peripheren Steuerungen, etwa einem Brandschutztor und dem Lichtvorhang, der für die Zugangskontrolle zum Kommissionierlager sorgt. Die gesamte Anlage ist visualisiert und über zusätzliche Netzwerk-PC bedienbar.

Da man bei Rila mit dem installierten FTS gute Erfahrungen gemacht hat und zudem die Durchsatzkapazitäten erneut steigern muss, orderte man vor kurzem beim Systemlieferanten MLR ein drittes Fahrzeug und damit einhergehend die weitere Optimierung des Leitsystems LogOS. Das aktulle Lieferprogramm von Rila-Feinkost umfasst rund 1.100 Produkte. Zum Sortiment gehören Länder-Feinkost-Spezialitäten aus Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Fernost, Arabien, Amerika, Lateinamerika und Indien ebenso wie Gourmet-Produkte (Jürgen Langbein), Bio- und Vollwertkost (Rinatura) sowie Weine und Spirituosen aus den verschiedensten Ländern. Die Unternehmensgruppe beschäftigt insgesamt rund 220 Mitarbeiter.

 

Technische Fahrzeugdaten

 

Fahrzeugtyp

PHOENIX FH-1,1 Mr

Transportgut

Europaletten 800 x 1.200 mm

Nutzlast [kg]

1.100

Lastaufnahme

Rollenbahn

Max. Geschwindigkeit

1,5 m/s vorwärts und rückwärts

Anzahl der Fahrzeuge

3

Streckenlängen [m]

ca. 550

Sicherheitseinrichtungen

Hinderniserkennung über Laserscanner vorn und hinten

Batterien

Bleibatterien, 48 V / 320 Ah

Ladestationen

3

 

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c  +49 2855 3037945

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